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Geburtsbericht: Die Odysee einer Geburt mit Einleitung

Hier ein Geburtsbericht von einer Frau (Details bekannt) die Gewalt in der Geburtshilfe erlebt hat. Nicht so schön, doch leider realistisch und keine Seltenheit.

Im Zuge des „Roses Revolution“ Tag am 25.09.16, hat sie diesen Bericht als Brief mit einer Rose vor dem Kreißsaal in dem das passiert ist abgelegt, um auf diese Weise zu protestieren.

Roses Revolution

Gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Liebes Team des Kreißsaals [Ort],Im Rahmen des Roses Revolution Tages heute am 25. November, möchte ich auf meine Geburt aufmerksam machen. Ich wurde Respektlos behandelt. Mir wurde Gewalt angetan! Ich wurde schrecklich behandelt und jetzt nach fast 5 Jahren frage ich mich oft noch, wieso manche Menschen diesen Beruf ausüben, obwohl sie Ihre Arbeit nicht ernstnehmen. Und warum solch unkompetente Menschen überhaupt mit gebärenden Frauen arbeiten dürfen.

Ihr, das Team des Kreißsaal [Ort] braucht keine Angst zu haben, ich werde hier keine Namen nennen, obwohl ich sie kenne! Ich möchte niemand an den Pranger stellen, aber ich möchte ein Zeichen setzen, für alle Frauen die noch bei euch entbinden werden. Nehmt es euch zu Herzen, lest es euch durch und vor allem ändert etwas!

Und es sind sicherlich auch einige kompetente Hebammen und Ärzte bei euch unterwegs und machen ihre Sache gut, aber es gibt bei euch auf jeden Fall auch die anderen. Es kommt immer darauf an, an welche Hebamme man gerät und das kann unter Umständen so ausgehen:Es fing damit an, dass ich während der Schwangerschaft einen Zuckertest beim Frauenarzt machen ließ. Man macht und glaubt ja alles was einem erzählt wird in der ersten Schwangerschaft…. Dafür könnt ihr erstmal nichts… Die Frauenärztin meinte, dass die Werte des Testes ein wenig erhöht seien, es wäre nicht weiter tragisch, ich solle einfach keine Süßigkeiten essen und gesüßste Getränke meiden. So gesagt bekommen, so gemacht, also kein Süßes mehr!Dann kam der Tag an dem ich ein paar Treppenstufen runtergestürzt bin und mich bei euch in [Ort] vorgestellt habe- zur Kontrolle ob was passiert ist. Jedenfalls war alles Ok. Euch ist aufgefallen das mein Fruchtwasser viel war und das mein Kind wohl groß sei. Dann kamen wir auf das Thema mit dem Zucker, und es hieß ich sollte unbedingt mal zum Diabetologen. (Viel Fruchtwasser, großes Kind…)

Ok hab ich natürlich gemacht, man glaubt ja alles was man gesagt bekommt… Ich musste mich dann 2 Wochen ,3 x Tägl. stechen um die Zuckerwerte zu bestimmen und es war nie ein Wert ziemlich hoch, sodass keine Gefahr auf SS-Diabetes bestand. Irgendwann wurde das Kind größer, der Bauch auch und die Kindsbewegungen wurden weniger, ich teilte das meiner Frauenärztin bei einer Vorsorge mit und sie meinte ich solle mich demnächst mal in [Ort] Vorstellen um das genauer zu kontrollieren… meine Frauenärztin meinte dann können wir beide wieder besser schlafen… und ich bekam daraufhin Angst!

Ich bin natürlich in den Tagen darauf zum Termin in [Ort]… weil man ja alles tut was einem gesagt wird. In [Ort] angekommen, wurde dann CTG, Ultraschall und das ganze kontrolliert und es war alles ok…. dann in der 38. SSW war ich wieder dort. Mir wurde gesagt, dass mein Kind sehr groß ist und ich so viel Fruchtwasser hätte. Wenn ich mein Kind spontan entbinden möchte, müsste man die Geburt einleiten, denn sonst ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zum Kaiserschnitt kommt, sehr groß, …ich wäre ja auch ziemlich klein…. Und wenn das Kind noch 2 Wochen , bis 40+0 im Bauch ist würde es aufjedenfall über 4000 kg wiegen. (Es wurde an diesem Tag ausgerechnet das mein Kind schon 3700kg wiegt.)

Ich wollte natürlich auf keinen Fall einen Kaiserschnitt und fragte also wann dann eingeleitet wird. Die Ärztin von euch, sagte nur “ morgen“ und ich war geschockt. Sie sah mir das an und meinte dann, dass es auch in 2 Tagen noch okay wäre. Und weil ich das Beste für mein Kind wollte und keinen Kaiserschnitt , willigte ich natürlich ein und glaubte was mir erzählt wurde…

Und so kam ich 2 Tage später zu euch um mein 1. Kind zu gebären. Ich hab mir gewünscht es würde behutsam und liebevoll auf dieser Welt in Empfang genommen werden…

Ich hatte einen Brief dabei, wie ich mir meine Geburt vorstelle und was ich mir wünsche… natürlich kann mir keiner garantieren das alles so kommen wird wie ich es will, ABER! man hätte als Fachkräfte die es doch bei euch im Kreißsaal gibt, alles dafür tun können das es so gut wie möglich berücksichtigt wird. Ein Punkt auf diesem Brief war, zB, dass ich möchte, dass mein Kind nach der Geburt direkt zu mir kommt, Haut auf Haut.

2 Tage ging die Einleitung, weil mein Kind wahrscheinlich einfach noch nicht bereit war, aber das habe ich mir in dem Moment leider noch nicht so erklärt. Abends um 23.30 Uhr platzte meine Fruchtblase und es ging richtig los.

Die ersten 6,5 Stunden waren heftig, aber es war ok. Ich fühlte mich gut betreut, vor allem von der Hebammenschülerin und auch die Hebamme kam zumindest ab und zu mal rein. Ich durfte in die Badewanne und man hat mich soweit in Ruhe in meinem „Flow“ gelassen. Ich war mit mir selbst beschäftigt, alles andere konnte ich hervorragend ausblenden ohne mich anzustrengen. Es lief gut, und dann kam der Schichtwechsel-….LEIDER!-

Die Hebamme die mich übernommen hat kam rein und eigentlich musste ich dann schon gleich aus der Badewanne raus ans CTG und den MM abtasten. Ich hab mich in der Wanne so wohl gefühlt… hab aber natürlich getan was von mir verlangt wurde und bin raus…Es war so unangenehm , mir war so kalt und ich wurde total aus meinem „Flow“ gerissen und war plötzlich voll da. Ich hörte plötzlich das Klingeln der Klingelanlage, ich hab plötzlich alles um mich herum wahrgenommen und die schmerzen von den Wehen wurden stärker.

Natürlich ist es wichtig unter der Geburt zu schauen ob mit dem Kind alles Ok ist, aber wieso macht man das CTG dann nicht in der Wanne… Das war aufjedenfall das letzte mal , dass ich die Wanne von innen sehen durfte und ich wurde ins Bett gelegt zum MM tasten. Mir wurde ständig angeboten eine PDA zu nehmen, übrigens schon Nachts von der anderen Hebamme. Der Unterschied zwischen der Hebamme in der Nacht und der am Tag war dieser, dass die Hebamme in der Nacht meine Entscheidung akzeptiert hat. Die Hebamme am Morgen hatte nach der Frage der PDA, die ich ausdrücklich mit NEIN beantwortet hatte, weil ich keine wollte, zu mir gesagt:.. “ Gut dann sind wir bis heute Mittag halt hier nicht fertig, wenn sie keine PDA nehmen“
Ist das nicht Respektlos? Wollen sie alle wissen wie ich reagiert hab? Eigentlich kann man sich denken , das die erste Reaktion die damit verbunden war, der Blick auf die Uhr war, die direkt vor mir gegenüber des Bettes an der Wand hing. Und es war kurz nach 8 Uhr morgens.

…und dann hab ich natürlich voll motiviert weiter meine Wehen durchgestanden! Das wäre schön gewesen, wenn ich damals schon so schlau gewesen wäre wie heute und ich den Mut gehabt hätte die Hebamme zu fragen ob sie das jetzt eigentlich fair findet.

Ich hab aufgegeben, innerlich, ich konnte plötzlich nicht mehr, obwohl ich davor so motiviert war…wollte ich sofort eine PDA. Und die Hebamme hatte ihr Ziel erreicht gehabt,… wenn sie denn gewirkt hätte. Natürlich müsst ihr Hebammen schauen das ihr 3-4 Frauen die ihr manchmal gleichzeitig betreuen müsst unter einen Hut zu bekommen und natürlich geht das sicherlich am einfachsten wenn die Frauen alle mit ihrer PDA im Bett liegen, …wie sonst sollte das auch gehen wenn jede ohne PDA die Wehen aussteht , wo soll man als Hebamme dann zuerst hin… Aber es ist einfach unfair gegenüber den Frauen die es ohne PDA möchten!!!!!

Es kam dann irgendwann der Anästhesist und legte die PDA. Sie hat nicht gewirkt, meine Beine waren noch voll zu spüren und die Wehen auch. Sie waren leicht abgeschwächt aber eigentlich hat das ganze nicht wirklich was gebracht. Außer eins, ich durfte nicht mehr aufstehen. …Obwohl ich es wollte, ich durfte nicht!

Auf Toilette natürlich auch nicht… Ich wurde kathetresiert und ständig wieder aus meinem „Flow“ in den ich nur schwer finden konnte rausgerissen.

Es kam eine Wehe, ich hab es gespürt, als die Hebamme mich gerade bat mich umzudrehen (ich lag seitlich) um mich zu kathetresieren. Ich hab sie darum gebeten kurz zu warten und wurde daraufhin mit den Worten “ Sie müssen schon machen was wir sagen, sonst wird das nichts“ angemault.

Irgendwann waren 12 Stunden vorbei und mein Muttermund war 9cm geöffnet. Da kam dann eine Ärztin, weil sich in den letzten 2 Stunden mein Muttermund nicht weiter geöffnet hatte …und mein Kind wohl immer wieder hochrutschte. Die Herztöne waren immer gut! Das wurde mir leider auch erst viel später bewusst. Es wurde beschlossen, dass ein Kaiserschnitt gemacht wird. Warum??? Warum wurde uns nicht Zeit gelassen?

Und ich habe zugestimmt und wie immer alles geglaubt. Da die PDA nicht gewirkt hatte musste ich eine Spinale bekommen und wenn die Wehen nicht aufhören, würde ich eine Vollnarkose bekommen. Ich sagte, dass ich aufkeinenfall eine Vollnarkose möchte und obwohl mir sowieso keiner zugehört hat ging es dann glücklicherweise ohne.

Und dann war es soweit, mein Bauch wurde aufgeschnitten. Währenddessen sagte ich, das ich möchte das mein Kind nach der Geburt sofort zu mir kommt, wenn es ihm gut geht. Ich wurde ignoriert. Ich hab es 6x! wiederholt und es hörte keiner zu. Mein Kind wurde geboren! Kurz übers Tuch gehalten, 2 Sekunden, dann wurde es weggetragen. Ich habe meinen Mann hinterhergeschickt. Zum Glück habt ihr ihn wenigstens durchgelassen.

Es war euch sicher wichtig, dass es meinem Kind gut geht und das wolltet ihr sicherstellen und ich bin euch sehr dankbar das ihr das tut. Aber warum war es euch wichtiger das Kind zu wiegen, zu messen, einzuwickeln in Windel und Handtuch, als das frisch neugeborene Kind das noch gar nicht weiß wie ihm geschieht seiner Mutter zu geben. Das Bonding zu fördern…
Nein! ihr musstet es erst durch 5 Hände geben bevor es dort sein durfte wo es hingehört….. IN DIE ARME SEINER MUTTER!

Nach 45 Minuten durfte ich endlich mein Kind das erste mal berühren! Ist das nicht spät? Die ersten Minuten vom Leben meines Kindes…. weiß ich nicht was gewesen ist. Mein Mann war dabei das beruhigt ein bisschen… Aber es erst 45 Minuten nach seiner Geburt zu Berühren ist eins von den schlimmsten Sachen die mir bei euch angetan wurde.

Und leider war das immer noch nicht alles, statt mein Kind anlegen zu dürfen wolltet ihr es zuerst einmal zufüttern, sicherheitshalber, wegen der Schwangerschaftsdiabetes , (die übrigens gar keine war!)

„Es ist nicht egal wie wir geboren werden!
Es ist nicht egal, was wir als erstes riechen und es
Ist nicht egal, wer uns zuerst berührt!“ -Michael Odent

Der Roses Revolution Tag ist eine weltweite Aktion, bei der Frauen auf die Gewalt aufmerksam machen, die sie in der Geburtshilfe erlebt haben.

Mehr Infos zur „Roses Revolution“ gibt es hier: http://www.gerechte-geburt.de/ und hier https://www.facebook.com/RosesRevolutionDeutschland/

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