Moderne Hexenverfolgung Teil 2

Hexenverbrennung

Hexenverbrennung 1574, aus der Wickiana (Sammlung des Johann Jakob Wick, Zentralbibliothek Zürich)

Gebührenerhöhungen in der Haftpflichtversicherung für Hausgeburten

Im Jahr 2010 steigt der Versicherungsbeitrag für Hausgeburten um 285% von 1.300 € pro Jahr auf 3.700 € pro Jahr. Weiter gibt es im Moment nur 2-3 Versicherungen die diese spezielle Haftpflichtversicherung überhaupt anbieten.

Der Beitrag steigt nicht etwa wegen der hohen oder steigenden Schadensquote – diese ist stabil und auf einem sehr niedrigen Niveau – sondern wegen der potentiell hohen Kosten im Falle zukünftiger Schäden.

Das Thema moderne Hexenverfolgung – pardon Ausrottung von Hebammen und Hausgeburten – pardon Gebührenerhöhung für die Haftpflichtversicherung bei Hausgeburten – hat in der Tat reale Auswirkungen:

Immer mehr Hausgeburtshebammen nehmen die Hausgeburt aus ihrem Programm.

Warum?

Eine Hausgeburt kostet die Krankenkasse ca. 500 €, das verdient die Hebamme pro Geburt, abzüglich ihrer Ausgaben.

Zum Vergleich kostet eine Geburt im Krankenhaus etwa das drei- bis zehnfache. So 1.400 € bis 5.000 € (Kaiserschnitt). Und wir reden jetzt nicht über medizinisch tatsächlich notwendige Kaiserschnitte, denn das sind sehr, sehr wenige. Das beweist uns die Semmelweis Frauenklinik in Wien. Solange der Kreissaal von Hebammen geleitet wurde und diese Hebammen nach allen Regeln der Kunst arbeiten konnten, lag die Kaiserschnittrate bei unter 2%. Und das ist der Durchschnitt über 30 Jahre – DREIßIG JAHRE. In unseren modernen Kliniken liegt die Kaiserschnittrate bei über 40 % und sie steigt jedes Jahr. Kann das mit dem um 3.600 Euro höheren Umsatz zusammenhängen? Bestimmt nicht.

Die Hebamme muss für diese 500 € im Zweifel 12 bis 20 Stunden arbeiten. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit.

Mit einer Hausgeburt im Monat ist man alleine ganz gut ausgelastet, da etwa 5 Wochen Rufbereitschaft pro angenommene Geburt inklusive sind.

12 Hausgeburten im Jahr sind also schon ganz gut. Leider bleibt dann der Urlaub auf der Strecke.

Eine Hebamme muss jetzt also 7,4 Hausgeburten betreuen, nur um die Versicherung zahlen zu können. Bisher waren es „nur“ 2,4 Hausgeburten für die Versicherung.

Von Januar bis Mitte August nur für die Versicherung arbeiten? Und das alles nur um 2.300 € zu verdienen, vor der Steuer?

Ach ja, über was wir bisher noch nicht gesprochen haben sind die vielen Vorteile die eine Hausgeburt für Mutter, Kind, Vater und die Gesellschaft hat. Dazu ein anderes Mal mehr.

In Frankreich wo dieser Prozess schon länger läuft, gibt es nur noch eine, EINE EINZIGE Hausgeburtshebamme!

Hallo? Passt da vielleicht “Moderne Hexenverbrennung”?

Viele Grüße
Volker

PS: Für alle Schwangeren besteht dann nur noch die Möglichkeit in einem KRANKENhaus – unter meistens gebärunfreundlichen Bedingungen – ihr Kind auf die Welt zu bringen, Komplikationen sind dort leider an der Tagesordnung.
Ich sage nicht, dass das mehr Profit bringt.

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